
Mit diesem Satz brachte Uwe Lins, der ehemalige Tutor von Abdullah Al Hadid, auf den Punkt, was etliche bisherigen Wegbegleiter des jungen Mannes, darunter auch viele Lehrerinnen und Lehrer denken, wenn sie sich an die vergangenen Jahre erinnern, in denen der nun durch den Preis der Lise Meitner Stiftung Geehrte, Teil der großen Schulgemeinschaft des Gymnasiums gewesen ist.
Dass 2026 nur ein ehemaliger Abiturient und nicht mehrere ausgezeichnet worden ist, greift auf die Anfänge der Stiftung zurück. Nach Barbara von Steuber, die als Stiftungsmitglied die Begrüßungsworte sprach, wurde bei der ersten Preisverleihung 2009 auch nur ein einziger Ehemaliger seine Leistungen geehrt. Kurz zuvor sei die Stiftung von Prof. Dr. Friedrich Portheine und Oberstudiendirektor Gerhard Herrenbrück ins Leben gerufen worden, um „begabte und in ihrer Persönlichkeit bemerkenswerte Abiturienten des Lise Meitner Gymnasiums auszuzeichnen“, so von Steuber.
Diesen Faden griff der anwesende Herrenbrück auf, indem er auf die schwierigen Anfänge der Familie al Hadid hinwies, die 2015 aus Syrien flüchtend in Neuenhaus angekommen und hier auf viele freundliche Helfer gestoßen sind, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die Neuankömmlinge in jeder Hinsicht zu unterstützen. Zu den Neuankömmlingen habe auch die Familie al Hadid mit ihren überaus begabten Söhnen gehört, die es nur aufgrund ihrer außergewöhnlichen Persönlichkeit so weit gebracht hätten.
Zu den Laudatoren gehörte auch der Neuenhauser Samtgemeindebürgermeister Günter Oldekamp. Er wies zunächst auf die Bedeutung des Gymnasiums als wichtige Bildungseinrichtung hin, um dann auf die besondere Bedeutung des Preises der Lise Meitner Stiftung aufmerksam zu machen. Sie sei mehr wert als ein sehr guter Notendurchschnitt, da sie auch auf die menschlichen Qualitäten der Ausgezeichneten ziele. In diesem Zusammenhang betonte Oldekamp Abdullahs besonderen Einsatz für Mitschüler, die nicht so begabt gewesen seien wie er, sich aber immer auf ihn als Helfer in der Not hätten verlassen können.
Lins begann seine Laudatio mit zwei kurzen Geschichten, die beide den Wert der Bildung an sich zum Inhalt hatten. Laut Lins verbindet die beiden Protagonisten ihr Status als Flüchtlinge und die Tatsache, dass sie nichts weiter hatten als ihren Kopf, um sich ihre Träume zu erfüllen und um es zu etwas im Leben zu bringen. Während die erste Hauptfigur in Lins´ Erzählung seine eigene Mutter gewesen ist, war die zweite Abdullah, der sich stets seiner Wurzeln in einem warmen und fördernden familiären Umfeld bewusst gewesen ist und trotz aller Schwierigkeiten niemals aufgegeben hat. Während ihm seine Intelligenz angeboren sei, zeichne ihm dazu eine besondere menschliche Eigenschaft aus, nämlich „der unbedingte Drang, das Maximum an geistiger Tätigkeit zu leisten“, so Lins. Wie sehr seine Mitschüler von seinen Talenten sowie von seiner Mitmenschlichkeit profitiert und dies auch durchaus gewusst hätten, sei durch deren unumwundene Äußerungen, wie „ohne Abdullah bin ich verloren“ deutlich geworden. Denn dieser war zu jeder Zeit bereit, seine Mitschüler mit Rat und Tat zu unterstützen. „Ich verneige mich vor Ihnen. Es war ein Privileg, Sie unterrichten zu dürfen“, endete Lins seine Laudatio.
Den musikalischen Rahmen der Veranstaltung bildeten Leonardo Kurumlian (Violine) und Jens Peitzmeier (Klavier) mit zwei Stücken von Händel. Ihr Spiel gab der Stunde den würdigen Rahmen, den sie verdient hatte.
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Godula Süßmann, 13.9.2026




