
Ein Theaterabend über die vielen Facetten eines großen Gefühls
Wie vielfältig Liebe sein kann, zeigten 38 Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs des Lise-Meitner-Gymnasiums in Neuenhaus in ihrer Theaterproduktion „Liebe in Stationen“. Die Teilnehmenden der beiden Kurse „Darstellendes Spiel“ präsentierten dabei kein klassisches Theaterstück mit einer durchgehenden Handlung. Stattdessen führten sie ihr Publikum auf eine Reise durch verschiedene Epochen, Perspektiven und Erscheinungsformen von Liebe.
Der erste Teil des Abends fand an mehreren Stationen auf dem Schulgelände statt. Vor der Aula eröffneten eindrucksvolle Standbilder den Rundgang. Ohne viele Worte, dafür mit ausdrucksstarker Körpersprache, Gestik und Mimik, setzten die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Aspekte von Liebe und Beziehungen in Szene. Die dargestellten Bilder ließen bewusst Raum für eigene Interpretationen und griffen neben Glück und Nähe auch schwierige Themen wie Konflikte, Entfremdung oder Gewalt in Beziehungen auf.
Im Japanischen Garten folgte eine Szene mit Bezügen zur Antike, in der innere Konflikte und persönliche Entscheidungen im Mittelpunkt standen. Anschließend wurde vor der Aula mit „Romeo und Robert“ eine moderne und humorvolle Anlehnung an Shakespeare präsentiert. Dabei wurden traditionelle Vorstellungen von Liebe hinterfragt und aktuelle Fragen von Identität und Partnerschaft aufgegriffen.
Den Abschluss des ersten Teils bildete ein Labyrinth, durch das die Zuschauerinnen und Zuschauer von Station zu Station geführt wurden. Im Mittelpunkt standen dabei verschiedene Formen des Zusammenlebens und der Partnerschaft. Gezeigt wurden unter anderem traditionelle Rollenbilder einer Ehe aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Während die Frau mit Handarbeiten beschäftigt war, saß der Mann über seiner Zeitung und kommentierte das Geschehen mit mürrischer Strenge. Daneben wurden moderne, gleichberechtigte Partnerschaften dargestellt, in denen beide Partner selbstverständlich Verantwortung im Alltag und Haushalt übernehmen. Andere Szenen zeigten die Anfänge einer Beziehung bei einem romantischen Dinner oder den Verlust eines geliebten Menschen, verkörpert durch eine trauernde Witwe an einem Grabstein. So entstand ein facettenreiches Bild davon, wie Menschen einander begegnen, miteinander leben und Abschied voneinander nehmen. Die Stationen machten deutlich, dass Liebe und Partnerschaft stets im Wandel sind und sich in unterschiedlichen Lebenssituationen sehr verschieden zeigen können.
Nach einer kurzen Pause folgte ein zweiter Teil mit mehreren kürzeren Inszenierungen. Gezeigt wurden zunächst das Stück „Tödliche Liebe“, anschließend eine Szene aus „Frühlings Erwachen“ (1. Akt, 5. Szene) von Frank Wedekind. Es folgte eine Adaption der mittelalterlichen Liebesgeschichte „Tristan und Isolde“. Den Abschluss bildete die humorvolle und zugleich nachdenkliche Collage „Tinder durch die Epochen“, die zeigte, wie sich die Suche nach Liebe und Partnerschaft im Laufe der Zeit verändert hat – und wie ähnlich manche Herausforderungen dennoch geblieben sind.
Besonders beeindruckend war die große Bandbreite an Ideen, die die Schülerinnen und Schüler in die Produktion einbrachten. Die Szenen machten deutlich, dass Liebe weit mehr ist als romantische Zweisamkeit. Sie kann verbinden und trennen, Orientierung geben und verunsichern, Menschen wachsen lassen und sie vor schwierige Entscheidungen stellen.
Begleitet wurde das Projekt von der Theaterpädagogin und Regisseurin Christiane Hahn. Sie betonte nach der Aufführung, dass die Schülerinnen und Schüler die Inhalte und viele kreative Ideen selbst entwickelt hätten. Ihre Aufgabe habe vor allem darin bestanden, den Entstehungsprozess zu begleiten und mit schauspielerischen sowie gestalterischen Impulsen zu unterstützen.
Mit „Liebe in Stationen“ gelang den beiden Kursen Darstellendes Spiel ein abwechslungsreicher Theaterabend, der die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht nur unterhielt, sondern auch zum Nachdenken über die vielen Facetten menschlicher Beziehungen anregte. Bewundernswert war dabei nicht nur die schauspielerische Leistung der Beteiligten, sondern auch der tiefgründige und reflektierte Umgang mit diesem Menschheitsthema.
Godula Süßmann, 7.6.2026
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