Begleitprogramm zur Ausstellung über Victor van der Reis
Auf emotionale, eindringliche Weise hat der Kurs Darstellendes Spiel des Jahrgangs 12 unter der Leitung von Frau Sperling den etwa 150 Zuschauern, zumeist Schülerinnen und Schüler der Wilhelm Staehle Schule und des Lise Meitner Gymnasiums, das Leben der jüdischen Familie van der Reis in der Zeit des nationalsozialistischen Terrors in einer szenischen Lesung nahe gebracht. Durch Variation der Lautstärke und des Sprechtempos, starke Betonung und Wiederholungen machten die ganz in schwarz gekleideten Darsteller menschliche Kälte und Schikanen der Täter wie auch das Ausgeliefertsein und die wachsende Angst der Familie van der Reis hautnah spürbar.
Ergänzt wurde der beeindruckende Vortrag durch Fotos aus dem van der Reisschen Familienalbum. Christa Pfeifer, ehemalige Lehrerin des Gymnasiums, brachte die Fotos mit ihren Erläuterungen zum historischen Kontext wunderbar zum Sprechen.
Theresa Sperling schließlich setzte mit ihrem Gedicht „Häute“ den fulminanten Schlusspunkt: In Anlehnung an die Erkenntnis, dass im Gegensatz zur Ideologie, die man wie einen Mantel ablegen kann, Mentalität eine Haut ist, aus der man nicht hinaus kann (Jacques Le Goff), zeigte sie am Beispiel ihrer eigenen Familiengeschichte, wie jede Generation mit ihren individuellen und kollektiven Erinnerungen mitwebt an der „Haut“ - der eigenen, aber auch der der nachfolgenden Generationen. Vor dem Hintergrund des wachsenden Antisemitismus, wie er sich zuletzt in dem versuchten Anschlag auf die Synagoge in Halle ausdrückte, war dieser bild- und temporeiche Vortrag ein indirekter, sprachlich-eleganter und dennoch deutlicher Appell, wachsam zu bleiben gegenüber den eigenen Verstrickungen, verfestigten Meinungen, tw. über Jahrzehnte tradierten und nicht mehr hinterfragten Vorstellungen, Ansichten und leider auch Vorurteilen. (bri)
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